{"id":4061,"date":"2014-02-18T09:36:27","date_gmt":"2014-02-18T08:36:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.raffael-fischer.ch\/?p=2656"},"modified":"2014-02-18T09:36:27","modified_gmt":"2014-02-18T08:36:27","slug":"geld-fehlt-vertrauen-zurueck","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gruene-luzern.ch\/blog\/2014\/02\/18\/geld-fehlt-vertrauen-zurueck\/","title":{"rendered":"Geld fehlt, Vertrauen zur&#252;ck"},"content":{"rendered":"<p>Nach der Ablehnung des Budgets 2014 an der Gemeindeversammlung im letzten November lud der Stadtrat von Willisau gestern erneut die Stimmb&#252;rgerinnen und -b&#252;rger in die Festhalle ein. Er pr&#228;sentierte ein &#252;berarbeitetes Budget, das &#8211; wenig &#252;berraschend &#8211; dem abgelehnten Budget stark &#228;hnelte. Etwas besser fiel der Abschluss nur aus, da kantonale Vorgaben etwas Entspannung bringen. Anderseits sind die Aussichten weiterhin nicht rosig, mit der Abschaffung der Liegenschaftssteuer hat sich f&#252;r das &#252;bern&#228;chste Jahr zudem der Fehlbetrag auf der Einnahmenseite erh&#246;ht. Gleichwohl unterst&#252;tzten alle Parteien das Budget. Doch bevor zur Abstimmung geschritten werden konnte, meldete sich erneut jener B&#252;rger, der an der letzten Versammlung in einem l&#228;ngeren Votum Zweifel am Budget ges&#228;t und es zur Ablehnung empfohlen hatte. Diesmal waren die Stadtpr&#228;sidentin und die Stadtr&#228;te besser vorbereitet und parierten die Vorw&#252;rfe, wiesen auf die vielen gebundenen Aufgaben und den Unterschied zwischen Privatwirtschaft und &#246;ffentlicher Hand hin. Schliesslich erhielt der Antrag Merz, das Budget nochmals zur&#252;ck zu weisen, nur wenige Stimmen. Dass in diesem Fall die kantonale Verwaltung &#252;ber das Budget der Gemeinde Willisau h&#228;tte entscheiden m&#252;ssen, d&#252;rfte eine gewisse Rolle gespielt haben. Vor allem aber konnte der Stadtrat diesmal offenbar die Versammlung &#252;berzeugen, dass in der aktuellen Finanzlage eine Steuererh&#246;hung unumg&#228;nglich ist. Das Vertrauen, das ihm im November versagt wurde, gewann er gestern zur&#252;ck, und damit auch den finanziellen Handlungsspielraum.<\/p>\n<p>Niemand mag gern mehr Steuern bezahlen. Es ist nat&#252;rlich attraktiver f&#252;r Politikerinnen und Politiker, wenn in guten Zeiten die S&#228;tze gesenkt werden. Ab und zu scheint es wichtig gut aufzuzeigen, wie staatliche Verwaltungen funktionieren und wozu Steuern dienen. Das eingenommene Geld fliesst weder in ein schwarzes Loch noch wird es im Verwaltungszentrum geschreddert. Steuern dienen einem Gemeinwesen zur Finanzierung der &#246;ffentlichen Aufgaben. Das Leben in einem gut funktionierenden Gemeinwesen erfordert qualitativ zufrieden stellende Dienstleistungen u.a. f&#252;r den Verkehr, die Sicherheit, Gesundheit, Bildung und Kultur. Das alles ist nicht gratis zu haben, alle bezahlen daran ihren Beitrag. Soweit jedenfalls die Theorie. In der Praxis hat man in den letzten Jahren zum Teil (zu) starke Senkungen vollzogen, die insbesondere die Unternehmen (juristische Personen) massiv entlasteten. So hat beim Bund die Unternehmenssteuerreform II zu grossen Sparm&#246;glichkeiten f&#252;r findige Optimierer gef&#252;hrt. Der Kanton Luzern hat noch mitten in der Finanzkrise die Unternehmenssteuern halbiert, doch ein Zuzug von neuen Unternehmen, der diese Reduktion wettgemacht h&#228;tte, fand keineswegs statt. Trotz der schlechten Finanzlage vieler Gemeinden und der Kantonskasse wurde am letzten Sonntag die Liegenschaftssteuer abgeschafft. Es gelang den Parteien leider nicht diese rechtzeitig in eine &#8220;Bodenverbrauchssteuer&#8221; umzuwandeln, die &#246;kologisch absolut berechtigt w&#228;re. Nach 30 Jahren Dauerberieselung mit Slogans wie &#8220;Mehr Freiheit, weniger Staat&#8221; sollten sich alle &#252;berlegen, welche Freiheit jene eigentlich meinen, die jederzeit bereit sind der &#246;ffentlichen Hand weitere Mittel zu entziehen. Die Freiheit f&#252;r die 300 Reichsten sich ungebremst zu bereichern, ein reiner Nachtw&#228;rterstaat mit schlechtem Bildungswesen und miserablen Dienstleistungen? Nein, daf&#252;r findet sich in der Schweiz nirgendwo eine Mehrheit. So beschloss eben z.B. in Willisau gestern abend eine &#252;berdeutliche Mehrheit in einer demokratischen Abstimmung, dass sie alle etwas mehr Steuern bezahlen m&#252;ssen. Die Ironie ist, dass viele von ihnen vor einer Woche an der Urne der Abschaffung der Liegenschaftssteuer zugestimmt haben, was m&#246;glicherweise in einem Jahr eine weitere Steuerfusserh&#246;hung in der Gemeinde nach sich ziehen wird. Fazit der letzten Reformen: juristische Personen bezahlen massiv weniger, nat&#252;rliche Personen &#8211; also wir alle &#8211; bezahlen daf&#252;r mehr. Profitieren aber nicht auch Unternehmen von guten &#246;ffentlichen Dienstleistungen? Dann ist es nur fair, wenn sie auch ihren Beitrag leisten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach der Ablehnung des Budgets 2014 an der Gemeindeversammlung im letzten November lud der Stadtrat von Willisau gestern erneut die Stimmb&uuml;rgerinnen und -b&uuml;rger in die Festhalle ein. Er pr&auml;sentierte ein &uuml;berarbeitetes Budget, das &ndash; wenig &uuml;berraschend &ndash; dem abgelehnten Budget stark &auml;hnelte. Etwas besser fiel der Abschluss nur aus, da kantonale Vorgaben etwas Entspannung bringen. 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