{"id":4189,"date":"2014-08-18T15:47:05","date_gmt":"2014-08-18T14:47:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.raffael-fischer.ch\/?p=2751"},"modified":"2014-08-18T15:47:05","modified_gmt":"2014-08-18T14:47:05","slug":"nackte-politiker","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gruene-luzern.ch\/blog\/2014\/08\/18\/nackte-politiker\/","title":{"rendered":"Nackte Politiker"},"content":{"rendered":"<p>Der Hype um anr&#252;chige Selfies zieht seine Kreise, auch in der Schweiz. Anfang Monat wurde bekannt, dass eine <a href=\"http:\/\/www.watson.ch\/!827132432\" >Sekret&#228;rin<\/a> im Bundeshaus mit Nackt-Selfies von sich auf Twitter eine gr&#246;ssere Follower-Zahl unterhielt. Sie sei seither freigestellt, ist der letzte Stand. Gestern brachte die Schweiz am Sonntag eine <a href=\"http:\/\/www.schweizamsonntag.ch\/ressort\/politik\/geri_mueller_nackt-selfies_aus_dem_stadthaus\/\" >Selfie-Story<\/a> &#252;ber den Aargauer Politiker Geri M&#252;ller. Alle anderen Medien &#252;bernahmen das Futter. In den Kommentarspalten und den sozialen Netzen wurde der Gr&#252;ne Nationalrat und Badener Stadtamman rasch zur Lachnummer. Und wie schon bei der Bundesangestellten waren die Emp&#246;rung gross und die R&#252;cktrittsforderungen zahlreich. Dass der das macht &#8211; ihhh &#8211; w&#228;hrend der Arbeitszeit, von unseren Steuern bezahlt&#8230; und so weiter. Man sp&#252;rt die Schadenfreude dahinter; juhui, ein Skandal, ein perfektes Opfer gefunden. <\/p>\n<p>Ich freue mich in solchen Situationen immer &#252;ber all diejenigen, die abw&#228;gen und die F&#228;lle differenziert betrachten. Bei Lichte betrachtet, ist vieles oft weniger gravierend als es in der ersten Aufregung scheint. Hinzu kommt, dass man &#8211; wie es ein lateinisches Sprichwort besagt &#8211; immer beide Seiten anh&#246;ren sollte. Seit die Fotografie erfunden wurde, gab es immer Nacktfotos und Selfies, auch wenn der Begriff recht neu ist. Neu ist nur, dass sie mit Smartphones verschickt werden und dann bald einmal im Web kursieren. Viele Damen und Herren, Jugendliche und Erwachsene, sammelten schon Erfahrungen mit Sexting, es gibt viele Geschichten von Erpressungen oder Racheakten. Zu betonen ist: Wer Nacktfotos von sich macht, darf das tun. Er darf sie auch an Bekannte schicken, sofern das genehm ist und nicht als sexuelle Bel&#228;stigung aufgefasst wird. Nicht akzeptabel sind die Ver&#246;ffentlichung ohne Einwilligung aller Beteiligungen und nat&#252;rlich jede Erpressung, indem etwa mit der Publikation von Bildern gedroht wird. Im aktuellen Fall fragt sich: Drohte die junge Frau mit Selbstmord oder anderem? Bedrohte der Politiker die Bekannte? Wenn Geri M&#252;ller die Sache nicht bald kl&#228;ren kann, wird er dar&#252;ber stolpern. Nicht die Nacktfotos sind dabei das eigentliche Problem, sondern das Verhalten und die Machenschaften rund um diese. Es w&#228;re nicht das erste Mal, dass ein Politiker durch eine Panikreaktion (wie etwa Anrufen bei einer Redaktion) ein Problem erst verschlimmert, bevor er gebrochen abtreten muss. Die Folgen sind gravierend: Karriere am Ende, Ruf im Eimer, berufliche Zukunft stark erschwert. <\/p>\n<p>Wie es weiter geht? Es kommt, wie richtig gesagt wurde, darauf an, was hinter der Story steht. Das l&#228;sst sich heute noch nicht abschliessend beurteilen, schon gar nicht f&#252;r uns Unbeteiligte. Umso mehr st&#246;rt mich, wenn in den sozialen Medien die Moralkeule geschwungen und sofort zum Halali auf M&#252;ller geblasen wird. Die Ermahnung, den ersten Stein d&#252;rfe nur werfen, wer selbst ohne Makel ist, kennen heute offenbar nicht mehr viele. Macht jeder von den selbst ernannten Moralh&#252;tern immer alles vollkommen perfekt? Man emp&#246;rt sich, dass ein Stadtammann in seinem B&#252;ro w&#228;hrend der Arbeit in einem Chat schreibt. Bei jemandem, der viele Stunden arbeitet und oft auch abends beruflich unterwegs ist, muss Privates und Berufliches vielleicht anders geschieden werden als bei jemandem in einem 8-17-Uhr-Beruf. Und haben wirklich alle, die den R&#252;cktritt fordern, ihre Kommentare in ihrer Freizeit geschrieben? Da ich nicht davon ausgehe, dass die Tausenden von Aktiven auf den Kommentarspalten alle Arbeitslose sind, nehme ich an, dass auch sie gelegentlich w&#228;hrend der Arbeitszeit chatten, twittern oder facebooken. Was und wieviel sie dabei tragen, ist mir egal. Einmal mehr zeigt sich die Scharfrichter-Seele von vielen Schweizerinnen und Schweizern in der Haltung, keine zweite Chance zu gew&#228;hren, nie. Am liebsten m&#246;chten solche Leute alle verwahren, einsperren, ausweisen, die einmal einen Fehler machten. Das ist ein Klima, das mir Sorgen macht. Einmal mehr &#252;berlegen, bevor man schiesst \/ schreibt, das w&#252;rde ich mir w&#252;nschen. Auch Journalisten einer Sonntagszeitung, die ihr Blatt verkaufen m&#252;ssen, fragen sich hoffentlich: Ist hinter der Geschichte genug, um die Sache in die &#214;ffentlichkeit zu zerren? Denn der Schaden ist angerichtet. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Hype um anr&uuml;chige Selfies zieht seine Kreise, auch in der Schweiz. Anfang Monat wurde bekannt, dass eine Sekret&auml;rin im Bundeshaus mit Nackt-Selfies von sich auf Twitter eine gr&ouml;ssere Follower-Zahl unterhielt. Sie sei seither freigestellt, ist der letzte Stand. Gestern brachte die Schweiz am Sonntag eine Selfie-Story &uuml;ber den Aargauer Politiker Geri M&uuml;ller. 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