{"id":4890,"date":"2016-01-06T15:09:57","date_gmt":"2016-01-06T14:09:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.raffael-fischer.ch\/?p=2932"},"modified":"2016-01-21T22:40:19","modified_gmt":"2016-01-21T21:40:19","slug":"nur-kandidatenstimmen-zaehlen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gruene-luzern.ch\/blog\/2016\/01\/06\/nur-kandidatenstimmen-zaehlen\/","title":{"rendered":"Nur Kandidatenstimmen z&#228;hlen"},"content":{"rendered":"<p>Der Wahlsonntag vom 18. Oktober bleibt mir in guter Erinnerung, f&#252;r Luzerner Medienschaffende sollte es ein Lehrst&#252;ck sein. Obwohl es &#228;usserlich nach einem Krimi schien, war die Wiederwahl von Nationalrat Louis Schelbert eigentlich bald einmal ziemlich gewiss. Doch erst nach 18 Uhr an diesem Sonntagabend h&#246;rten die peinlichen Anrufe bei ihm auf, von Journalist\/innen, die auf der Jagd nach einer tollen Geschichte immer von ihm wissen wollten, was er zu seiner \u00abAbwahl\u00bb meine. Zigmal erkl&#228;rte er, dass nichts sicher sei und er zuversichtlich bleibe.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.raffael-fischer.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/20151018_Foto_Schelbert_Meile_Reggebauede-e1452089561161-248x300.jpg\" alt=\"20151018_Foto_Schelbert_Reggebauede\" width=\"248\" height=\"300\" *protected email* \/>Kaum waren die Listenstimmen in den ersten Gemeinden ausgez&#228;hlt, wurde in Onlinemedien gross verk&#252;ndet, die Gr&#252;nen w&#252;rden ihren Sitz verlieren. Doch die Listenstimmen geben immer erst einen Fingerzeig; selbst wenn sie von allen Gemeinden vorliegen, entspricht das Ergebnis nicht der definitiven Verteilung der Sitze. Was sind Listenstimmen? In der ersten Runde der Ausz&#228;hlung werden alle Wahlzettel nur nach der Parteibezeichnung sortiert; das gibt ein erstes grobes Bild, aber eben nicht mehr. Demnach gab es also nicht gen&#252;gend Stimmzettel f&#252;r die Gr&#252;nen, um einen Sitz zu erhalten (weniger als einen Elftel). <\/p>\n<p>Schelberts Zuversicht, dass seine Partei noch aufholen w&#252;rden, war nicht nur unserer Erfahrung geschuldet oder schlichtes Wunschdenken, sondern basierte auf harten Fakten. Nach und nach tr&#246;pfelten im Regierungsgeb&#228;ude n&#228;mlich aus immer mehr Gemeinden auch die Kandidatenstimmen ein. Was sind Kandidatenstimmen? Dies sind nun die genaueren Zahlen, die sich aus der detaillierten Ausz&#228;hlung s&#228;mtlicher Wahlzettel ergeben. Eine W&#228;hlerin bezeichnete etwa ihre Liste mit &#8222;SP&#8220; und f&#252;hrte darauf neben 6 SP-Kandidat\/innen auch zwei Gr&#252;ne und eine Junge Gr&#252;ne auf &#8211; ihre 10 Stimmen (f&#252;r die Nationalratssitze im Kanton Luzern) kann sie beliebig auf alle antretenden Listen verteilen. Im Beispiel h&#228;tte sie zu 70% die SP und zu 30% die Gr&#252;nen unterst&#252;tzt. Es versteht sich von selbst, dass sich durch diese Aufschl&#252;sselung jedes einzelnen Wahlzettels auf die Parteien und die mit ihnen verbundenen Unterlisten zum Teil noch gr&#246;ssere Verschiebungen gegen&#252;ber der blossen Zahl von Wahlzetteln mit bestimmten Listenbezeichnungen ergeben.<\/p>\n<p>Dass die Listenverbindung von SP, Gr&#252;nen und Gr&#252;nliberalen zwei Sitze holen w&#252;rde, war rasch klar. W&#228;hrend des ganzen Nachmittags hiess es, die Luzerner SP w&#252;rde einen Sitz gewinnen und die Gr&#252;nen ihren verlieren. Warum? Die erhaltenen Mandate werden nach einem mathematischen Schl&#252;ssel auf die Listen innerhalb einer Verbindung verteilt. Ich lasse die technischen Details hier weg, nur soviel: Bei zwei Sitzen f&#252;r eine Parteiengruppe m&#252;ssen kleinere Parteien mindestens eine Stimme mehr als die H&#228;lfte der Stimmen der gr&#246;ssten Partei der Gruppe erhalten, damit nicht beide Sitze der gr&#246;ssten Listenpartnerin zufallen. Und nun war es so, dass die Gr&#252;nen in praktisch s&#228;mtlichen Gemeinden dieses Kriterium erf&#252;llten. Louis Schelbert wusste das und was es bedeutet. Als endlich auch die Resultate aus der Stadt Luzern bereinigt vorlagen, konnte um 18.25 Uhr &#8222;Entwarnung&#8220; gegeben werden: Die Gr&#252;nen Luzern verteidigten ihren Sitz, Schelbert wurde best&#228;tigt.<\/p>\n<p>Wenn manche Medien daraufhin schrieben, die Stadt Luzern h&#228;tte diese &#8222;&#220;berraschung&#8220; bewirkt, dann ist das falsch. Es ist die gesamte Summe der Kandidatenstimmen, die den Ausschlag gab. Und diese ergab zu jeder Zeit am Nachmittag die interne Verteilung: 1 SP und 1 Gr&#252;ne. Bedauerlich ist, dass die Gr&#252;nliberalen ihren Sitz verloren haben und die SVP zulegte. Das war der Megatrend dieser Wahlen, wie er sich in fast allen Kantonen zeigte. In Luzern h&#228;tte es aber beinahe eine zweite &#196;nderung gegeben: Ohne die erstmalige Listenverbindung von CVP und FPD (mit den Kleinparteien BDP und EVP) h&#228;tte die erstere &#8211; einst die st&#228;rkste Partei des Kantons &#8211; ihren dritten Sitz verloren und zwar an die SP! Die Erkenntnis daraus: Listenverbindungen spielen eine Rolle. Und hinter Wahlen steht immer auch ein interessantes St&#252;ck Mathematik.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Wahlsonntag vom 18. Oktober bleibt mir in guter Erinnerung, f&uuml;r Luzerner Medienschaffende sollte es ein Lehrst&uuml;ck sein. Obwohl es &auml;usserlich nach einem Krimi schien, war die Wiederwahl von Nationalrat Louis Schelbert eigentlich bald einmal ziemlich gewiss. 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