{"id":5554,"date":"2018-05-22T07:09:17","date_gmt":"2018-05-22T06:09:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.michael-toengi.ch\/?p=2331"},"modified":"2018-05-22T07:09:17","modified_gmt":"2018-05-22T06:09:17","slug":"vollgeld-zeichen-alleine-genuegen-nicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gruene-luzern.ch\/blog\/2018\/05\/22\/vollgeld-zeichen-alleine-genuegen-nicht\/","title":{"rendered":"Vollgeld \u2013 Zeichen alleine gen&#252;gen nicht."},"content":{"rendered":"<p>Die Vollgeld-Initiative will, dass nur noch die Nationalbank Geld sch&#246;pfen kann. Heute tun dies auch die Banken. Rund 90 Prozent des Geldes, das heute im Umlauf ist, erschaffen die Banken in dem Moment, in welchem sie einen Kredit vergeben und das Geld erlischt auch wieder mit der R&#252;ckzahlung des Kredits. Neu m&#252;ssten sich die Banken die Mittel auf dem Markt beschaffen oder bei der Notenbank leihen. Die Initianten haben eine weit verbreitete Skepsis gegen&#252;ber spekulativ t&#228;tigen Banken aufgenommen und werben damit, dass mit einer kleineren Geldmenge die Wirtschaft von ihrem Wachstumszwang befreit werde. Das klingt in allen gr&#252;nen Ohren wie Balsam.<\/p>\n<p>Ob bei einer Annahme der Initiative die Ziele auch erreicht w&#252;rden, ist\u00a0aber\u00a0h&#246;chst umstritten. Weiterhin w&#252;rden die Banken Kredite vergeben und nirgends ist festgehalten, dass diese dann in die \u201erichtigen\u201c Bereiche und nicht weiter in spekulative Anlagen fliessen w&#252;rde. Auch die Initianten mussten zugeben, dass die Finanzkrise von 2008 mit Vollgeld ebenfalls m&#246;glich gewesen w&#228;re. Gleichzeitig f&#252;hrte die Vollgeld-Initiative zu hohen Risiken: Nirgends ist dieses System bisher ausprobiert worden und die Auswirkungen sind unklar. Die Nationalbank erhielte eine bedeutend st&#228;rkere Rolle \u2013 ihre Unabh&#228;ngigkeit w&#228;re nach dem Initiativtext erhalten, die Aufsicht aber nicht weiter gekl&#228;rt. Welche Art der Geldpolitik die Nationalbank machen w&#252;rde, steht auf einem anderen Blatt.<\/p>\n<p>In vielen Gespr&#228;chen wird mir gesagt: Man muss jetzt ein Zeichen setzen. Selbstverst&#228;ndlich ist\u00a0es ein legitimer Einsatz seines Stimmzettels, den Banken seine Unzufriedenheit mir ihrem Gesch&#228;ftsgebaren\u00a0zu zeigen\u00a0. Aber letztlich stimmen wir nicht &#252;ber Zeichen, sondern &#252;ber einen Verfassungsartikel ab. Und da halte ich mich lieber an\u00a0 dessen Inhalt und einem Urteil dar&#252;ber. Es lautet klar: Auf dieses Experiment will ich mich nicht einlassen.<\/p>\n<p>Die Probleme auf im Finanz- und Bankensektor wurden angegangen: Die Schweiz hat unter internationalem und innenpolitischem Druck eine Weissgeldstrategie entwickelt, dem automatischen Informationsaustausch zwischen Steuerbeh&#246;rden nach OECD-Regeln zugestimmt und &#8222;Too big to fail&#8220;-Regeln, eine Art Grossbankenregulierung, einf&#252;hren m&#252;ssen. Dieser Weg muss weiter beschritten werden: Die Gr&#252;nen pl&#228;dieren seit Jahren f&#252;r h&#246;here Eigenmittel und wollten auch die Einf&#252;hrung des Trennbankensystems pr&#252;fen, um die Risiken zu verkleinern. In diesem Sinne unterst&#252;tzt die Gr&#252;ne Fraktion auch einen Gegenvorschlag zur Initiative, um weitere Massnahmen jetzt umzusetzen. Das Parlament hat ihn abgelehnt, doch auf diesem Weg m&#252;ssen wir weitergehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Vollgeld-Initiative will, dass nur noch die Nationalbank Geld sch&ouml;pfen kann. Heute tun dies auch die Banken. Rund 90 Prozent des Geldes, das heute im Umlauf ist, erschaffen die Banken in dem Moment, in welchem sie einen Kredit vergeben und das Geld erlischt auch wieder mit der R&uuml;ckzahlung des Kredits. 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