Grüne Vorstösse in Agglomeration und Gemeinden - Archiv 2002

Schulraumerstellung im Schnellzugstempo

Archiv: 19. April 2002

Dringliche Interpellation der L20/SP Fraktion

Am Dienstag, 25. März trauten die Stirnrüti- Bewohner kaum Ihren Augen: Auf der Gemeindeparzelle unmittelbar hinter dem beliebten Spielplatz wurde ein Baugespann errichtet. Tags darauf erhielten die anstossenden Grundeigentümer die offiziellen Bauanzeigen und wurden so das erste Mal mit der konkreten Absicht der Gemeinde zum Bau eines Kindergartenpavillons vertraut gemacht.

Eigentlich schön, dass jetzt plötzlich eine schon viel diskutierte Option zum Tragen kommt, aber entspricht dies den aktuellen schulpolitischen Bestrebungen einer integrierten Eingangsstufe? Wieso wird das Problem erst Mitte Schuljahr erkannt und mit einem hastigen Erstellen von Schulraum "gelöst"? Reicht der Platz auch für die Vorstufe Kleinkindergarten oder Spielgruppe? Denkt man dabei auch an den Zweijahres- Kindergarten, welcher in anderen Kantonen schon eingeführt ist? Wurden weitergehende Synergien wie Kombination mit einem Quartiertreff und Bedürfnisse der familienergänzenden Kinderbetreuung erörtert? Wieso erhielt der Einwohnerrat zu diesem Geschäft keinen Bericht und Antrag?

Nach dem Begutachten des Bauprojekts in der Planauflage kehrte man mit einem zwiespältigen Eindruck zurück. Irgendwie stimmt die Situation nicht zum Projektplan oder der Projektplan nicht zur Situation.

Da wird ein Pavillon in einem grosszügigen Grundstück mitten auf die grüne Wiese gestellt. Überlegungen zu Umgebungsgestaltung, Zugangsweg, Spielfläche und Parkierung sind keine ersichtlich. Ohne erkennbare Gründe wird ein Befahren des Kindergartens mit einem Rollstuhl durch drei Treppenstufen verhindert. Im Klassenzimmer wird ein Lavabo vermisst. Für die Lehrperson steht zur Vorbereitung ein Abstellraum zur Verfügung. Während bei sämtlichen Überbauungen im Richtplangebiet Stirnrüti sinnvollerweise effiziente Heizsysteme mit Heizzentralen vorgeschrieben wurden, soll dieser Holzpavillon mit ökologisch schlechten Elektroheizungen erwärmt werden.

Nach unseren Informationen sind gegen dieses Bauprojekt drei Einsprachen eingegangen, wobei nicht grundsätzlich der Kindergarten- Standort sondern Mängel in der Baueingabe beanstandet werden. Ob in dieser Situation der Pavillon auf den Beginn des neuen Schuljahres fertiggestellt werden kann, können wir nicht beurteilen.

Zu diesem erstaunlichen Vorgehen stellen wir folgende Fragen:
  • Stimmt es, dass die Baueingabe des Gemeinderates den Anforderungen des Bau- und Planungsgesetzes in verschiedener Hinsicht nicht genügt und weniger Baugesuchsunterlagen eingereicht wurden, als dies von privaten Bauwilligen verlangt wird?
  • Weshalb bemüht sich der Gemeinderat bei gemeindeeigenen Bauten nicht um Natur und Umwelt verträgliche Lösungen, wie er dies im "Leitbild zur Räumlichen Entwicklung" verschiedentlich erwähnt?
  • Aus welchem Grunde wird bei dieser Schulraumerstellung ohne Einbezug von Eltern kindergartenpflichtiger Kinder, Grundstücks- Anstössern und Einwohnerrat gehandelt?
  • Ist sich der Gemeinderat bewusst, dass er mit dieser Vorgehensweise die erwähnten Einsprachen geradezu provoziert?
  • Ist der terminliche Druck gerechtfertigt und wie konnte er entstehen?
  • Wird durch diesen terminlichen Druck nicht eine klare Beurteilung der Sachfrage verunmöglicht und die Ausführung einer ökonomischen Lösung behindert?
  • Wann werden die betroffenen Familien informiert und wo werden diese Kinder im Jahr 2003/2004 eingeschult?
Wir bitten den Gemeinderat, die verpasste Diskussion vor der Bauauflage jetzt im Einwohnerrat nachzuholen und deshalb die Dringlichkeit zu akzeptieren.