Kultur braucht Freiheit von staatlicher Logik
Archiv: 21. September 2004
von Louis Schelbert, Grossrat GB Luzern
Die Kultur hat umfassenden Charakter. Wer, wenn nicht der Staat, kann heute kulturelles Schaffen, dessen Vermittlung und den allgemeinen Zugang dazu in umfassendem Sinne ermöglichen?
- Mäzene sind im Idealfall selbstlos, treffen aber immer eine persönlich geprägte Auswahl ‐ und es sind ihrer nur wenige.
- Das gleiche gilt für private Stiftungen, die dem Stiftungszweck verpflichtet, und für private Vermittler, die spezialisiert sind.
- Sponsoren sind nicht selbstlos, sie erwarten einen Gegenwert und investieren, wo sie ihn finden.
In der politischen Auseinandersetzung geht es um die grossen klassischen Bereiche: Literatur, Theater, Musik, Tanz, bildende Künste, Filmwesen, heimatliches Kulturgut. Sie und ihre Verbreitung erfordern Mittel der öffentlichen Hand, ohne die sich heute kulturelles Leben nicht entfalten kann. Ihre Höhe erachte ich aktuell als zu beschränkt.
Die kulturpolitische Aufgabe sehe ich so: Der Staat macht nicht Kultur, sondern er macht Kultur und ihre Vermittlung möglich. Dafür muss er zwischen den (Landes-)Regionen vermitteln und zwischen finanziell verschieden starken Gegenden ausgleichen. Das erfolgt entlang politischer Logik.
Diese kann und darf aber nicht der Massstab für Kultur selbst sein. Kultur braucht Freiheit, auch die Freiheit von staatlicher Logik. Nur schon, weil sie Mehrheiten manchmal um Jahre voraus ist. Vor allem aber um der Wahrheit willen. Der Staat muss Kultur deshalb fördern und nicht befehlen, vermitteln und nicht bestimmen, ermöglichen und nicht verhindern.
