Aufwertung des europäischen Aktionstages "Ohne Auto in die Stadt!"
Archiv: 11. April 2005
Dringliches Postulat von Zora Schelbert, Namens der Fraktion Grünes Bündnis/Junge Grüne
Am 25. Februar letzten Jahres reichte ein junges Komitee die Volksinitiative "Sonntag fürs Auto" ein, welche jährlich zwei autofreie Sonntage in der Stadt Luzern forderte. Bereits am ersten Sammeltag waren die erforderlichen 800 Unterschriften beisammen, nach Ablauf der Sammelfrist zählte das Begehren sogar mehr als doppelt so viele Unterzeichnende wie nötig. Aber leider wird über diese Vorlage nie abgestimmt werden können. Macht sie doch ein kurz nach der Einreichung gefällter Bundesgerichtsentscheid ungültig.
Erfreulich ist, dass sich Luzern dieses Jahr bereits zum fünften Mal am europäischen Aktionstag "Ohne Auto in die Stadt" beteiligt, welcher jeweils am 22. September stattfindet. Weniger erfreulich dagegen ist die stete Abnahme von Aktionen an diesem Tag. Während früher noch mehrere Strassen gesperrt wurden, was die Aktion und die ihr zugrunde liegende Verkehrsproblematik sichtbar machte und Lenker motorisierter Privatfahrzeuge zum Mitmachen nötigte, so wird heute mittels günstiger Tageskarten für in der Stadt ansässige Firmen nur noch Beihilfe zum freiwilligen Umstieg auf den öffentlichen Verkehr geleistet.
Dass autofreie Tage aber ein Bedürfnis der Allgemeinheit sind, hat nicht nur die erfolgreiche Lancierung der Initiative gezeigt, sondern hat auch der Stadtrat erkannt. In seiner Antwort auf das Postulat 370 1996/2000 "Unterstützung des europäischen Aktionstages ‚Ohne Auto in die Stadt!’" sieht er die Möglichkeit, mit der Durchführung des Aktionstages "die Bevölkerung auf die Probleme des Verkehrs (Lärm- und Luftimmissionen) zu sensibilisieren". Denn "die vorübergehend neu gewonnene Ruhe wird von den AnwohnerInnen erfahrungsgemäss sehr geschätzt", wie "Referenzanlässe im In- und Ausland" gezeigt haben. Als Beispiel dient dem Stadtrat Genf, wo bereits am 22. September 1999 von 7.00 bis 21.00 Uhr gewisse Quartiere für den motorisierten Privatverkehr ganz gesperrt wurden und die Benützung der öffentlichen Verkehrsmittel gratis war ‐ und das an einem Mittwoch.
Gegner des Aktionstages bemängeln, dass damals auf den autofreien Strassen gar nichts los gewesen sei, weshalb man sie besser dem Verkehr freigegeben hätte. Um dieser Tatsache ein Ende zu setzen und dem 22. September wieder zu positiverer Resonanz zu verhelfen, fordere ich den Stadtrat auf, den Einbezug der städtischen Bevölkerung in die Planung dieses Aktionstages mittels einer (freiwillig und unentgeltlich arbeitenden) Projektgruppe zu prüfen. Das Initiativkomitee "Sonntag fürs Auto", bestehend aus Vertretern des Jugendparlaments Stadt Luzern, der Jungen Grünen, der Juso, der JCVP und der Jungfreisinnigen, würde sich zusammen mit anderen Interessierten für diese Tätigkeit zur Verfügung stellen.
Autofreie Strassen sollen nicht zum Anschauen, sondern zur sinnvollen Nutzung auf Zeit da sein. Ich denke an gesellschaftliche, sportliche und kulturelle Veranstaltungen wie Quartierzmorge, Streetsoccer-Turniere, Zirkusaufführungen oder Konzerte. So könnten am 22. September wieder mit gutem Gewissen Strassen gesperrt werden, da sie nicht den Verkehr behindern, sondern als kurzfristig von der Bevölkerung eingenommener Lebensraum eine Abwechslung schaffen.
