Grüne Vorstösse im Stadtparlament Luzern - Archiv 2005

Das Luzerner Projekt Stadttauben soll das fortschrittlichste bleiben!

Archiv: 6. Mai 2005

Postulat von Rita Meyer-Facius, namens der GB/JG-Fraktion

An der Sitzung vom 21. April 2005 des Grossen Stadtrates wurde der geplante Bau eines Taubenhauses am Kurplatz kritisiert. Es sei zu teuer und der Platz dafür nicht geeignet. Das geplante Taubenhaus ist Teil des seit 2001 in Luzern bestehenden Projektes «Stadttauben Luzern». Geplant war ursprünglich der Bau und Unterhalt von zwei Taubenhäusern und drei Taubenschlägen, Öffentlichkeitsarbeit über 5 Jahre sowie die Begleitung des Projektes durch externe Fachleute. Das Budget für das Projekt wurde vom Stadtrat im Jahr 2001 mit Fr. 442 000.‐ über 5 Jahre festgelegt. Ein ausgesprochen geringer Betrag für dieses wichtige, umfangreiche Projekt.

Das wichtigste Anliegen, nämlich die Bevölkerung mit einer breit angelegten Öffentlichkeitsarbeit auf die negativen Folgen der übermässigen Taubenfütterung aufmerksam zu machen, kann erste Erfolge verbuchen. Die Zahl der Tauben hat deutlich abgenommen, sie lag im Juni 2004 30 bis 40% tiefer als im Juni 2001. Der im Herbst 2004 eröffnete Taubenschlag im Rathaus stösst auf grosses Interesse. Gegenwärtig finden dort monatlich 3‐4 Führungen mit diversen Gruppen statt, ergänzt mit Informationen über das Taubenprojekt.

Professor Daniel Haag von der Uni Basel, Entwickler des Basler Modells und Berater beim Projekt Stadttauben Luzern, bezeichnet das Projekt von Luzern als das fortschrittlichste. Er weist u. a. darauf hin, dass mit diesem Projekt grosse Summen gespart werden, denn weniger Tauben bedeutet weniger Kot und somit auch weniger Schäden an Fassaden und Objekten. Der Leiter Ressort Kulturgut und städtische Museen bestätigt dies, weist hin auf die vielen Schäden an historischen Bau- und Kunstwerken, welche jeweils mit grossem finanziellem Aufwand gereinigt, restauriert und mit weiteren Massnahmen vor Taubenkot geschützt werden müssen. Tauben, die ein Taubenhaus oder einen Taubenschlag zur Verfügung haben, setzen ihren Kot im Haus ab, der dort einfacher zu entfernen ist als im öffentlichen Raum. Zudem kann das Brüten der Tiere kontrolliert und reduziert werden, indem Taubeneier mit Kalkeiern ausgetauscht werden. Trotzdem wird es nie möglich sein, für die gesamte Luzerner Taubenpopulation einen Platz in einem Taubenschlag anzubieten. Ziel ist ja auch nicht ihre Vernichtung, sondern ein kleiner, gesunder Taubenbestand. Auch Stadttauben zählen zur geschrumpften Artenvielfalt unserer Siedlungen.

Da es nach Meinung des Grossen Stadtrates am Kurplatz kein Taubenhaus geben soll, ersuchen wir den Stadtrat, das Projekt Stadttauben Luzern anzupassen und rasch weiterzuverfolgen. Zu prüfen als Standort für ein Taubenhaus ist der Inselipark, wo ursprünglich ein Taubenhaus geplant war. Vorstellbar wäre die Möglichkeit eines Taubenschlags oder Taubenhauses im Bereich Natur-Museum. Das Museum könnte zusätzlich mit einer Taubenprojektwoche/-ausstellung vermehrt über die Problematik zu grosser Taubenbestände informieren.