Den Makel abstreifen
Archiv: 31. Juli 2009
Kommentar von Christian Bertschi, NLZ
Die Luzernerinnen und Luzerner können am 27. September den fünften Stadtrat an der Urne wählen. Stefanie Wyss von den Jungen Grünen verhindert mit ihrer Kandidatur eine stille Wahl. Bisher nominiert war Stefan Roth von der CVP, der im ersten Wahlgang das beste Resultat der Nichtgewählten erzielt hatte.
Die Wahlchancen von Stefanie Wyss sind gering, diese Einschätzung teilt sie sogar selbst. Obwohl mit ihren 22 Jahren politisch noch sehr unerfahren, ist sie realistisch genug, um sich nicht Illusionen hinzugeben. Der fünfte Sitz im Stadtrat, der zurzeit von CVP-Finanzdirektor Franz Müller gehalten wird, wird wohl wieder an die CVP und damit an Stefan Roth gehen.
Ist es also Zwängerei, dass Stefanie Wyss nun doch antritt und so die kostengünstige Lösung eines stillen Wahlgangs verhindert? Keineswegs. Wyss nutzt ihre demokratischen Rechte. Und vor allem schafft sie mit ihrer Kandidatur die Möglichkeit, einen Makel an den diesjährigen Stadtratswahlen zu beseitigen.
Den zweiten Wahlgang hat die Regierung des Kantons Luzern nämlich erst angeordnet, weil eine Stimmrechtsbeschwerde gutgeheissen worden war. Stadtpräsident Urs W. Studer habe sich unrechtmässig in den Wahlkampf eingemischt. Es konnte nicht ausgeschlossen werden, dass er auf den Parteilosen Beat Stocker Druck ausgeübt hatte, auf eine Kandidatur zu verzichten.
Indem das Luzerner Stimmvolk nun am 27. September frei und demokratisch den Stadtrat komplettieren kann, können alle Zweifel und Einwände ausgeräumt werden. Stefanie Wyss ebnet mit ihrer Kandidatur den Weg für einen rundum glaubwürdigen zweiten Wahlgang. Sie hat deshalb schon vor dem Wahlsonntag einen ersten Sieg errungen.
