Grüne Vorstösse im Stadtparlament Luzern - Archiv 2016

Interpellation: Stadt Luzern im Fussverkehrs-Test auf dem letzten Rang

Archiv: 17. November 2016

Marco Müller und Laurin Murer namens der G/JG-Fraktion bitten den Stadtrat um die Beantwortung einiger Fragen im Zusammenhang mit dem schlechten Abschneiden der Stadt Luzern im Fussverkehrs-Test des Verbandes "umverkehR".

In der verkehrspolitischen Diskussion wird dem Fussverkehr oft wenig Gewicht beigemessen. Der verkehrspolitische Verband "umverkehR" hat darum erstmals einen Fussverkehrs-Test1 in 8 Städten der Deutschschweiz durchgeführt. Anhand einer beispielhaften Route wurden die Städte in vier Kategorien bewertet: Hauptstrassenquerungen, Plätze, Haltestellen und Abschnitte. Bei diesem Test landete Luzern auf dem achten und letzten Schlussrang, abgeschlagen hinter den Städten Zürich, Basel, Winterthur, Bern, Biel, St. Gallen und Thun.

Dieses Ergebnis ist kein gutes Zeugnis für die Stadt Luzern und in vielerlei Hinsicht bedenklich: Luzern ist eine Touristendestination, die meisten Gäste bewegen sich zu Fuss durch die Stadt. Auf Grund der demografischen Entwicklung leben immer mehr ältere Menschen in der Stadt, sie sind hauptsächlich als Fussgänger/innen unterwegs und zum Teil gehbehindert. Als Zentrumsort bewegen sich auch viele Menschen mit einer Behinderung zu Fuss oder im Rollstuhl durch die Stadt und sind auf eine gute Infrastruktur angewiesen.

Da der Verkehr von der Bevölkerung als Hauptproblem wahrgenommen wird, ist der Fussverkehr eine wichtige Alternative zu den verstopften Strassen und überfüllten Bussen. Auf Grund der bekannten Problematik der ungenügend gesicherten Strassenüberquerungen sollte die Stadt zudem für die Thematik sensibilisiert sein.

Vor diesem Hintergrund wird der Stadtrat gebeten, folgende Fragen zu beantworten:
  1. In der Kategorie "Netzelement Haltestelle" (Seite 54) schneidet Luzern beim Kriterium "Hindernisfreiheit" miserabel ab und landet weit abgeschlagen mit 50 von 100 Punkten auf dem Schlussrang. Was für Massnahmen erwägt der Stadtrat, um die Hindernisfreiheit bei den Haltestellen zu verbessern?
  2. Auch beim Kriterium "Plätze" (Seite 46) schneidet Luzern in der Kategorie "Hindernisfreiheit" mit 45.8 von 100 möglichen Punkten sehr schlecht ab. Was für Massnahmen erwägt der Stadtrat, um die Hindernisfreiheit auf den Plätzen zu optimieren?
  3. Beim Platzranking (Seite 47) werden der Bundesplatz, der Franziskanerplatz, der Weinmarkt und der Schwanenplatz als ungenügend, der Helvetiaplatz als knapp genügend beurteilt. Welche Optimierungsmöglichkeiten sieht der Stadtrat hier?
  4. Die Aufenthaltsqualität wird an zwei Stellen des Berichtes (Seite 25 und 46) mit 54.7 resp. 58.3 Punkten (von 100 möglichen) nicht gerade als vorbildlich beurteilt. Der Bericht weist auch ganz generell darauf hin, dass Innenstadtplätze immer noch zu stark vom Verkehr besetzt sind, statt den Menschen als Aufenthaltsraum zu dienen. Was für Möglichkeiten sieht der Stadtrat, um die spezifisch erwähnten Plätze sowie weitere Plätze für Fussgänger/innen attraktiver zu gestalten und so die Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum zu verbessern?
  5. Bei den Hauptstrassenquerungen schneiden die Sichtverhältnisse (bei Querung ohne Lichtsignalanlage) mit 25 von 100 Punkten (Seite 36) sehr schlecht ab. Welche Verbesserungsmöglichkeiten sieht der Stadtrat hier?
  6. Wie gedenkt der Stadtrat die gemäss Test (Seite 63) ungenügende Situation beim Abschnitt Hirschmattstrasse 1 (bis Pilatusstrasse) sowie die knapp genügenden Querungen Hirschengraben und Pilatusstrasse und den Abschnitt Hirschmattstrasse 2 (bis Bundesplatz) zu verbessern?
1 www.umverkehr.ch/sites/default/files/bericht_fussverkehrs_test_final_mittel.pdf