Grüne Vorstösse im Kantonsparlament Luzern - Archiv 2016

Postulat über die öffentliche Beschaffung: Anschaffung von Dieselfahrzeugen nur mit modernster Abgasreinigungstechnik

Archiv: 13. Dezember 2016

Monique Frey und Mitunterzeichnende fordern mit einem Postulat, dass der Kanton nur Dieselfahrzeuge beschafft, welche die strengsten Abgasgrenzwerte erreichen.

Wir fordern, dass der Kanton nur Dieselfahrzeuge beschafft, welche die strengsten Abgasgrenzwerte erreichen.

Begründung:
Seit fast einem Jahr wissen wir, dass Dieselautos mit betrügerischer Software auf unseren Strassen unterwegs sind. Diese stossen weit mehr Schadstoffe aus, als sie auf dem Papier versprechen, und gefährden dadurch unsere Gesundheit. Zudem erschweren sie die Einhaltung der Luftreinhalteverordnung und bringen die Kantone mit der Umsetzung in Verzug. Denn trotz der laufenden Senkung der technischen Emissionsgrenzwerte konnten die Immissionsgrenzwerte der Luftreinhalteverordnung noch nicht erreicht werden. Namentlich in städtischen Ballungsräumen und entlang stark befahrener Strassen hat sich die Belastung mit Stickoxiden in den vergangenen zehn Jahren kaum, jene mit Feinstaub (PM 10) nur noch langsam verringert. Dazu zeigen neueste wissenschaftliche Erkenntnisse, dass die Immissionsgrenzwerte sogar noch weiter gesenkt werden müssten, um Gesundheitsrisiken weitgehend auszuschliessen. Die Hälfte der Stickoxide stammt nach wie vor vom Strassenverkehr, beim Feinstaub ist es rund ein Viertel. Die folgenden zwei Faktoren bilden die Ursache für die nur zögerliche Verbesserung der Luftqualität.
  1. Der Anteil der Dieselfahrzeuge nimmt laufend zu. 1990 entfielen lediglich 2,6 Prozent der Neuwagen auf den Dieselantrieb, bis 2015 ist der Wert auf rund 40 Prozent angestiegen.
  2. Feldmessungen zeigen, dass Dieselmodelle bis zehnmal höhere Stickoxid-Emissionen aufweisen als Benziner und in den letzten acht Jahren trotz strengerer Zulassungsgrenzwerte kaum sauberer geworden sind.
Stickoxide sind gefährliche Luftschadstoffe, die die Umwelt schädigen und krank machen. Wegen luftschadstoffbedingten Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen werden in der Schweiz jährlich zirka 20 000 Tage im Spital verbracht. Die belastete Atemluft führt zu rund 17 000 Fällen von akuter Bronchitis bei Kindern und rund 3000 neuen Fällen von chronischer Bronchitis bei Erwachsenen. Ferner resultieren zirka 4,7 Millionen Tage mit eingeschränkter Aktivität bei Erwachsenen. Dadurch entstehen jedes Jahr Gesundheitskosten von rund 4 Milliarden Franken. Durch Stickstoffdioxid kommen in Europa jedes Jahr Zehntausende zu Tode - deutlich mehr als durch Verkehrsunfälle: Einer Studie der Europäischen Umweltagentur zufolge sind im Jahr 2012 zirka 75 000 vorzeitige Todesfälle in ganz Europa durch eine lange NO2-Exposition verursacht. Für die Schweiz geht diese Studie für das Jahr 2012 von 950 vorzeitigen Todesfällen durch das geruchlose und unsichtbare Atemgift aus. Dieselfahrzeuge sind Hauptverursacher der hohen Stickoxid-Emissionen in der Schweiz.

Personenwagen, die in Flotten von Firmen und staatlichen Institutionen zum Einsatz kommen, weisen mit 30 000 bis 40 000 Kilometer pro Jahr deutlich höhere Fahrleistungen auf als private Fahrzeuge. Der Flottenwagenpark ist damit überdurchschnittlich für die Luftbelastung mit Schadstoffen verantwortlich. Von gut 300 000 jährlich neu in Verkehr gesetzten Personenwagen sind 40 Prozent Flottenfahrzeuge. Flottenbetreiber, darunter auch die öffentliche Hand, haben demnach durch ihre Beschaffungspolitik einen grossen Einfluss auf die Entwicklung der Luftqualität. In den allermeisten Fällen wird jedoch bei der Beschaffung von Personenwagen als Umweltkriterium einzig die Energieeffizienz (Energieetikette) oder/und der CO2-Ausstoss herangezogen.

Ganz zentral, um die Autobauer zur Vernunft zu bringen, ist eine konsequente Einkaufspolitik der Kundinnen und Kunden, und dazu zählt auch, dass die Luzerner Verwaltung nur noch Dieselfahrzeuge mit der modernsten Abgasreinigungstechnik beschafft.