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Keine Politik von der Kanzel?

21. Februar 2015, von Alain Greter

Gemäss Walter Müller, Informationsbeauftragter der Bischofskonferenz, sollten sich Redner im Gottesdienst der Tagespolitik enthalten. So wird er jedenfalls in der heutigen Ausgabe der Neuen Luzerner Zeitung zitiert.

 

Eine absurde Forderung, wenn man an die Geschichte des Christenstums denkt. Ist die Befreiungstheologie beispielsweise nicht aus der christlichen Theologie entstanden?

 

Die Forderung nach politischer Abstinenz bekräftigt mich allerdings einmal mehr, mich auf die alten Griechen zu beziehen: auf Sokrates und all die verschiedenen Philosophenschulen, die sich mit Recht auf ihn berufen. Damit knüpfe ich an die griechische Selbstsorge an und klammere die christliche Seelsorge sowie über 2000 Jahre katholische Kirche aus.

 

Betrachtet man die Geschichte des Christentums, dürften politische Äusserungen zum Courant normal gehören. Mein Grossvater mütterlicherseits, der Augenarzt Léon Broccard, hat sich als Präsident des UPV (Union des producteurs valaisans) für die Wahlen aufstellen lassen. Ein Pfarrer aus dem Oberwallis, aus dem Goms, wetterte von der Kanzel: „Wer Broccard wählt, wählt einen Kommunisten“. Die UPV stand in Verbindung mit dem POP, dem Parti Ouvrier Populaire.

 

Vor diesem Hintergrund amüsiert es mich, dass die Bischofskonferenz keine Politik von der Kanzel will. In der streng hierarchisch geführten katholischen Kirche, herrscht bekanntlich ein grosser Unterschied zwischen der obersten Führung, den Hirten und den Gläubigen. Dies zeigt in diesen Tagen auch der „Fall“ des Bürgler Pfarrers Wendelin Bucheli, der ein lesbisches Paar gesegnet hat.

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